STURZOPFER

Foto: Arne Mill/frontalvision
Foto: Arne Mill/frontalvision

Der Film "Die Mumie" läuft gerade im Kino und strapaziert das Vorstellungsvermögen arg. Real existierende Mumien sieht der Zuschauer bei fast jeder Tour. Also Rennfahrer, die über und über mit Binden umwickelt sind, mit denen Sturzverletzungen behandelt und im besten Falle gelindert werden. Nach der Massenkarambolage auf der 2. Etappe werden wir heute einige davon sehen. Doch diese armen Kerle sind noch besser dran als jene Pechvögel, die nach Unfällen beim Zeitfahren das Rennen wegen Knochenbrüchen aufgeben mußten wie Valverde (Kniescheibe), Izaguirre (Lendenwirbel) und Durbridge (Sprunggelenk). Erfreulicherweise sind heute Mediziner nach Sekunden an den Unfallstellen und kümmern sich kompetent um die Fahrer; mit modernen Therapien und sogar mit mobilen Röntgen-Apparaten, die noch vor Ort anzeigen, welche Maßnahmen zur Behandlung optimal sind. 

André Reuze, der die Tour de France viele Male als Journalist begleitet hatte, beklagt in seinem Buch Giganten der Landstraße, daß die Veranstalter seinerzeit auf jegliche medizinische Hilfe im Konvoi verzichteten, um Kosten zu sparen. Ja, daß die Rennfahrer nicht mal "fremde Hilfe" annehmen durften, wenn sie das Rennen fortsetzen wollten ohne mit Geld- oder Zeitstrafen belegt zu werden. Gambardella hatte Glück, daß die Kommissäre schon vorbei waren, als ihn die Zuschauer unterstützten.

Das Reglement ist heute humaner. Die Bedingungen auch? Ist wirklich alles besser geworden? Rennräder und Straßenbelag auf jeden Fall. Trotzdem wird die gefühlte Anzahl von Stürzen mit schlimmen Folgen immer größer. Die Fahrbahnen sind gut asphaltiert, werden aber bei Näße glatt wie Eisbahnen. "Verkehrsberuhigungsmaßnahmen" wie Inseln, Aufpflasterungen, Poller,

Schilder, Leitplanken und Ampeln werden zu Gefahrenquellen, wenn die große Meute ins Schleudern kommt. Und schon scheint es wieder, als hätten dann nicht nur die Fahrer mit ihren dünnen Pneus, sondern auch die Veranstalter mit ihrer Kurssetzung den Grip verloren.

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