SKYFALL

James Bond ließ grüßen: Alles oder nichts! Das war die Taktik des Teams Sky während der ganzen 12. Etappe. Es okkupierte wie eine Kommandoeinheit die Spitze des Feldes und machte es immer kleiner mit Tempo-Steigerungen. Obwohl die Mannschaft nicht mehr komplett ist (es fehlt der "Staff-Sergeant" Geraint Thomas, der am Sonntag verletzt ausgeschieden war) ging dieser Offensiv-Plan auf, der aber im Gegensatz stand zur Aussage von Sky-Manager Brailsford in einem Interview vor der Etappe: Der Vorsprung von Froome sei zwar nicht groß, aber er reiche um defensiv zu fahren. Man müsse nicht angreifen sondern könne abwarten, was die anderen machen. Die Realität sah anders aus. Bis zum letzten der 3 schwersten Anstiege diktierten die Sky-Fahrer das Geschehen im Sturmschritt, holten alle Ausreißer ein und ließen auf der Rampe zur Bergankunft nur eine kleine Gruppe von Favoriten übrig. Die Kollegen von Froome hängten auch noch Quintana und Contador ab, ohne daß der Mann in Gelb selbst eingreifen mußte. Mikel Landa fuhr hinter Angreifern her und beschleunigte immer mal wieder persönlich die Fahrt von Froome, der manchmal Mühe zeigte, den anderen zu folgen. Dabei hatte Brailsford am Morgen zweimal betont, daß Froome so gut in Form sei wie immer in den letzten Jahren und daß er sogar einen frischeren Eindruck mache. Genau das erwies sich als Fehlinterpretation. Oder als Zweckbehauptung. Froome blieb förmlich stehen, als seine Gegner angriffen. Er verlor das Gelbe Trikot, aber vielleicht auch eine Portion seiner Selbstsicherheit. Den Rückstand von 22 Sekunden handelte er sich auf den letzten 250 Metern ein. An dieser Marke da fuhr er noch direkt am Hinterrad von Bardet. Als der französische Sieger den Zielstrich überquerte, lag Froome 98 Meter zurück. Eine Niederlage für ihn. Er ist - zumindest für den Augenblick - aus dem Sky gefallen.

Ohne die defensive Fahrweise von Landa hätte der Einbruch seines Kapitäns noch deutlicher ausfallen können. Der Baske wirkte ungeheuer stark im Finale. Als er dann endlich sprintete, kam er trotz seiner Helferdienste vorher noch leicht von Froome weg und belegte Platz 4 der Etappe. Er hätte um den Sieg fahren können, wäre er nicht ein Befehlsempfänger im Team Sky, das sogenannte Loyalität einfordert. Ein Radrennen, erst recht eine Tour de France, ist nicht nur Sport, daran wurde man gestern deutlich erinnert. Der vorletzte Bond-Film endete mit dem Showdown in Skyfall. Viele dachten damals, das sei das Ende von Bond gewesen. Aber er kam wieder. Froome auch?

 

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