WARR(E)NTY

Foto: CORVOS
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"Wawa ist nicht tot", sagte Warren Barguil nach der 13. Etappe, die er nach enormer Kletterleistung und einem cleveren Sprint gewann. 

Der dritte Sieg in seiner Laufbahn ist sein erster seit 2013. Die Fach-Medien in Frankreich begannen schon zu fragen, ob er denn das ewige Talent bleiben werde. Große Hoffnungen ruhten auf ihm, als er 2012 die Tour de l'Avenir (die Nachwuchs-Tour) gewann, dazu noch das Punkte-Trikot, die Bergwertung und eine Etappe. Ein Alleskönner, ein "Rundfahrer"! Der Höhepunkt einer Blitzkarriere des damals 20jährigen Bretonen aus Honnebont (nordöstlich von Lorient). 2009 französischer Juniorenmeister auf der Straße, 2011 Praktikant beim Team Schuller-Bretagne und Etappensieg bei der Tour de l'Avenir, 2012 Vertrag bei seinem jetzigen Team Sunweb.  2013 zwei Etappensiege bei der Vuelta, nachdem er zuvor schwer gestürzt war!. Frankreich wollte ihn bei der Tour sehen! Aber sein Teamchef Iwan Spekenbrink erklärte ihn zum Langzeitprojekt: "Er ist zu jung für die Tour. Wir wollen ihm Zeit geben, sich zu entwickeln, allmählich, ohne Druck. Wir denken, daß er beste Veranlagung hat, ein Mann für die Gesamtwertung zu werden. Sein Rennprogramm planen wir mit ihm gemeinsam, so wie es dem Konzept unseres Teams seit der Gründung entspricht. Immer die Herausforderung suchen, aber entsprechend vorbereitet." 2015 beendete Wawa seine erste Tour als 15. des Gesamtklassements und 3. der Nachwuchswertung. Danach folgten noch drei Top-10-Platzierungen bei WorldTour-Rennen

Ein schrecklicher Unfall stoppte seinen Aufstieg im Januar 2016. Beim Training in der Nähe von Calpe raste ein Auto in die Fahrergruppe mit Barguil (und auch Degenkolb). Warren brach sich das Kahnbein, verlor 2 Monate und auch seine Unbekümmertheit: "Seit jenem Tag achte ich auf jedes Auto im Umkreis, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, ich sehe die Bilder von gestürzten Kollegen in einem Rennen viel intensiver und ich bekomme sie nur schwer aus meinem Kopf." 

Die Saison 2017 begann er mit neuem Mut und zaghaften Hoffnungen. Ein Sturz auf der 2. Etappe der Tour de Romandie schien alles zu zerstören - Hüft-Fraktur. Die Heilung dauerte nicht so lange wie eigentlich erwartet. Wawa konnte schon beim Criterium du Dauphiné Anfang Juni wieder ins Rennen einsteigen und sich fürs Tour-Team von Sunweb qualifizieren. Auf dem Weg zur Station des Rousses im Jura trat er erstmals in Erscheinung, war beim Ausgang des Rennens aber nicht mehr vorn. Dann folgten jene kurzen Minuten in Chambery, als er sich schon wie der Sieger fühlte, ehe das Zielfoto dem Kolumbianer Uran einen Vorsprung von wenigen Zentimetern bescheinigte. Ein Trostpreis war das gepunktete Bergtrikot, das er an diesem Tag übernahm. 

Seinen Sieg auf der 13. Etappe stufte Warren als besonders wertvoll ein, weil er ihn errungen hatte gegen Contador, der mal sein Vorbild war, als er mit dem Radsport begann. Nach seinem Erfolg schrieben die französischen Zeitungen von einer "blauen Welle", denn er ist der vierte Etappensieger für die Gastgeber. Und das zur fête national! Barguil war aber nicht der erste aus der

Familie, der am Nationalfeiertag in Erscheinung trat. Sein Schwager marschierte am Morgen mit seiner Einheit bei der Militärparade auf den Champs Elysee. Dort also, wo Wawa am 23. Juli als Bergkönig der Tour ankommen möchte.

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