TEAMWORK

Foto: CORVOS
Foto: CORVOS

Der Trainer hatte ihm genaue Anweisung gegeben bei den australischen U-17 Jugendmeisterschaften 2006: "In der Runde X greifst Du an, und dann - glaube mir - gewinnst Du das Rennen." Michael Matthews, der kaum 6 Monate vorher mit dem Radsport begonnen hatte, fuhr seine Runden bis zum Punkt X, attackierte und holte sich mit einer knappen Minute Vorsprung das Meistertrikot.

So ähnlich verlief auch die 14. Etappe. Das ganze Team Sunweb hatte sie generalstabsmäßig vorbereitet. Und sie spulte ab wie im Drehbuch vorgesehen! Mit einer kritischen Situation zwar im Moment der letzten Spannung, aber eben auch mit dem geplanten Happy End - dem Sieg des Hauptdarstellers Michael Matthews (Foto). Er hatte sich bei früheren Einsätzen für diese Rolle empfohlen, er brachte das Können mit und die Einstellung, den Willen zum Sieg. Das hügelige Schlußdrittel der Etappe und die bergauf führende Ziel-Strecke waren dem Australier auf den Leib geschnitten. Darum beschloß die Teamleitung um Iwan Spekenbrink, auf den 182 km nach Rodez die komplette Mannschaft so einzusetzen, daß Matthews in eine gute Position für den Sprint gebracht würde und er dann mit der zuvor gesparten Kraft seine Schnelligkeit nutzen könne.

Während der ganzen Etappe führte die Mannschaft Sunweb das Feld an, gewährte einer Spitzengruppe nur einen winzigen Vorsprung, brachte den Kapitän schonend über die beiden Bergwertungen und holte schließlich den letzten Ausreißer ein. Dann hätte der Plan kippen können: 9 km vor dem Ziel attackierte Lammertink und konnte sich absetzen, trotz des hohen Tempos im Peloton. Drei Fahrer sprangen hinterher, darunter Nikias Arndt. Der Bodyguard von "Bling". Er fuhr immer am Ende der Gruppe, die sich lange vorn behauptete. Als sie wieder geschnappt wurde, hatte Arndt noch genug Kraft, Matthews ans Hinterrad zu nehmen und ihn unter die ersten 10 Fahrer zu bringen. Gemeinsam mit Barguil, dem Sieger vom Freitag, zog er auch noch den Sprint an, als der Schlußanstieg begann. Matthews flog an Olympiasieger van Avermaet vorbei und vollendete eine Demonstration der Stärke und der Kameradschaftlichkeit seines Teams. Der zweite Tageserfolg in Serie! 

Solche Hilfe unter Kollegen oder sogar Freunden in einem Rennstall beschreibt auch André Reuze in "Giganten der Landstraße".

Die Mannschaften damals waren nicht so straff organisiert wie die Teams heute, und die Verständigung im Rennen war auch viel schwieriger und viel knapper. Die Erfahrung und das Gespür der alten Kämpen für die Situation ließ sie aber instinktiv das richtige tun, um sich gegenseitig zu unterstützen. Undenkbar war eine so langfristige Vorbereitung wie in diesem Fall bei Sunweb, die man schon als eine Kampagne bezeichnen kann. Nikias Arndt und Matthews trainierten gemeinsam in der Höhe von Livigno. Einer sollte den anderen genau kennenlernen, begreifen wie der denkt und tickt. Das hat sich auf den letzten 10 km der 14. Etappe ausgezahlt. Teamwork in Vollendung.

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