DENKPAUSE

Foto: Arne Mill/frontalvision
Foto: Arne Mill/frontalvision

Solange der Vorrat reicht. Ein wichtiger Faktor zu Beginn der 3. Woche einer Tour de France. Wer hatte bisher den geringsten Verschleiß? Wer kann am letzten Ruhetag noch mal auftanken? Kraft, Konzentration, Moral. 

Es ist auch der Tag der Planspiele. In allen Wertungen. Wie kann man in der ersten Hälfte der 16. Etappe Kittel abhängen? Das werden die Teams mit Sprintern durchspielen.

Wie kann man Froome unter Druck setzen, der schon einmal wackelte und etliche Male Anzeichen von Panik erkennen ließ? Das wird in den Mannschaften von Bardet, Aru und Uran diskutiert. Vielleicht auch in der von Daniel Martin. 

Hat im Team Sky der Chef Brailsford noch die Kontrolle über das Fahrverhalten von Landa, der auch zu einer Gefahr für den Titelverteidiger werden könnte?

Denkansätze in vielfältigen Bereichen. Ein Fahrer entschließt sich an einem solchen Tag, seine Laufbahn nach 20 Jahren zu beenden. Ein anderer grübelt, welches Vertrags-Angebot er für die nächste Saison er annehmen soll. Der nächste analysiert, warum seine Form bei dieser Tour so stabil ist, und viele fragen sich, weshalb sie in den ersten 2 Wochen nicht "die Beine hatten" für große Taten. Die meisten werden das Streckenbuch studieren und sich im Abgleich der Etappenprofile mit dem eigenem Befinden Erfolgschancen ausrechnen. Einige aber werden es resigniert beiseite legen und im Stillen fluchen, daß sie in der Taktik ihrer Teams nur Schachfiguren sind.

Die Giganten der Landstraße hatten an jedem 2. Tag rennfrei. Sie waren bei 15 Etappen einen Monat unterwegs, hatten am Ende der Tour aber rund 2000 km mehr in den Beinen als heute üblich. Eine unvorstellbare Schinderei. Viele Fahrer wuschen übrigens ihre Rennkleidung selbst mit der Hand. Und sie hatten  einen offeneren Umgang miteinander als das bei der heutigen Selbstisolation der Rennställe üblich ist.  

Im Team Sky sollen sich die Fahrer bei der Begrüßung zum Schutz vor Krankheitskeimen nicht die Hand geben sondern nur die Fäuste aneinander stoßen. Auf einem LKW sind 9 Waschmaschinen installiert, eine für jeden der Fahrer, in der nur seine Kleidung gewaschen wird, auch das zur Vermeidung von gegenseitigen Infektionen. Allerdings achtet Team-Manager Brailsford bei seiner Wortwahl nicht immer so genau auf die Hygiene. In Düsseldorf sagte er einem Journalisten, der über den Untersuchungsausschuß des britischen Parlaments in Sachen Sky geschrieben hatte, er solle sich seinen Artikel "in den ...Hintern stecken". Am Ruhetag in Puy-en-Velay verwies er denselben Reporter aus der Pressekonferenz von Sky mit der Begründung, daß der über ihn und das Team "nur Sch...ß schreibe". Von Sir Dave, einem Gentleman, den die Queen zum Ritter geschlagen hat, hätte man das wohl nicht gedacht...

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