WINDMÜHLE

Foto: Sunweb
Foto: Sunweb

Veränderungen, ja sogar Zeitabstände in der Gesamtwertung waren auf dieser Etappe nicht zu erwarten. 20 km Anstieg am Anfang zwar, dann 50 km Berg-und-Tal-Bahn, die restlichen 90 km aber mit fallender Tendenz. Die Frage vom Tage: Welche Sprinter überstehen NICHT die Klettertour zu Beginn? Team Sunweb sorgte für die Antwort. 8 Fahrer (hier Laurens ten Dam an der Spitze) machten Tempo und hängten Marcel Kittel ab. Beim 5fachen Etappensieger blieben 3 Fahrer vom Team Quick-Step Floors und 2 beim beim besten Mann im Klassement, Daniel Martin. Das sollte im Finale Auswirkungen haben. 

Sunweb hatte außer Kittel auch Bouhanni, Groenewegen und McLay eliminiert und beim Zwischensprint die Punkte für "Bling" Matthews gesichert. Das deutsch lizenzierte Team prägte den Fortgang der Etappe, wenn auch mit Unterstützung der Rennställe BMC, Lotto-Soudal und Dimension Data und Trek, die ihre Sprinter und Klassementfahrer noch beisammen hatten. Der starke Gegenwind lud nicht ein zu Attacken. Bis zu zu jener rechtwinkligen Kurve, an der die Fahrer von Windmühlenflügeln gepeitscht wurden. Das Feld zerbrach prompt an der "Sollbruchstelle". Einige Teams waren darauf vorbereitet, ihre "Späher" hatten diese Chance erkundet. Team Sky nutzte seine frischen Kräfte und sorgte innerhalb weniger Kilometer dafür, daß nur noch eine Elitegruppe übrig blieb. Sprinter wie Greipel, Kristoff, Colbrelli mußten abreißen lassen, aber auch Stars wie Contador. Und Daniel Martin. Welch ein Pech! Ein Moment der Unachtsamkeit machte die kleinen Erfolge der letzten Tage zunichte, als er mit seinen zähen, unermüdlichen und manchmal aberwitzig erscheinenden Angriffen immer ein paar Sekunden in der Gesamtwertung gewonnen hatte. Der Ire, ein Neffe von Stephen Roche, kämpfte seit der 3. Etappe am härtesten und auffälligsten von allen um das Gelbe Trikot oder wenigstens einen Platz auf dem Podium. Dabei war er  stark angeschlagen nach dem fürchterlichen Salto über den gestürzten Richie Porte, und sein Team ohnehin mehr auf Kittel ausgerichtet als auf ihn. Trotzdem lag er vor der 16. Etappe als 5. des Klassements nur 72 Sekunden hinter Froome. Eine bravouröse Leistung! Martin kämpfte auch diesmal, gegen den Wind und gegen die Gruppe der Besten. Trotz der Unterstützung von Brambilla und Bauer verlor er diesen Kampf und dazu 51 Sekunden. Ein Schicksal, das anrührt.

Sunweb führte sein Kommando-Unternehmen schließlich noch zu einem märchenhaften Ende. Matthews, wiederum mustergültig pilotiert von Nikias Arndt, gewann den Sprint. So knapp, daß er auf die Auswertung des Zielfotos warten mußte. Im dann folgenden Jubel um seinen zweiten Etappensieg (den 3. des Teams), schienen die "Brillies" in seinen Ohren noch mehr zu funkeln als sonst. Als 17 jähriger wechselte er von der Moto-Cross-Strecke auf die Radrennbahn Canberra. Seine späteren Trainingskollegen, allesamt von Privatschulen mit den teuersten Rennrädern, lächelten beim ersten Treffen über ihn, weil er Slips unter der Rennhose trug und eine gebrauchte und geborgte Maschine benutzte. Was an ihm blinkte, waren seine Armbänder und Ketten und Piercings. Seitdem hat er den Spitznamen Bling. Der bekam internationale Bedeutung, als er 2010 Weltmeister U-23 wurde (vor Degenkolb...) und 2015 WM-2. hinter Sagan. Für Bling glitzern jetzt auch die sportlichen Schmuckstücke.

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