GLÜCKSFÄNGER

Es war ein sparsamer, fast stiller Jubel von EBH, als er endlich SEINE ETAPPE gewann. Die innere Freude war spürbar und wirkte so sympathisch. Zweimal schon Dritter und Zweiter, jeweils nur knapp geschlagen, einmal sogar nur um 6 mm von Marcel Kittel. Er war einer der auffälligsten, aktivsten und schließlich auch effektivsten Fahrer im Feld. Wer weiß, ob sein Kapitän Cavendish, für den er eigentlich der Sammy sein sollte, die gleiche Ausbeute erreicht hätte. Vor 6 Jahren hatte er bei der Tour schon einmal sein Potential offenbart, als er einer der wichtigsten Helfer von Wiggins war, aber trotzdem einmal vor und einmal  nach dessen Ausscheiden eine Etappe gewann. Er ahnte, daß diese letzte Chance kommen würde, er hat sich darauf vorbereitet - und er war dabei. Erstaunlich ist allenfalls, daß die anderen mit ihm in der Gruppe gefahren sind, da sie doch von seiner Sprintschnelligkeit wußten. 

Als Kind hat Edvald nie Radsport im Fernsehen verfolgt. Er fuhr lieber mit seinem Rad und hatte seinen Spaß daran. Später, als er auf einer blauen Monarch-Rennmaschine beim Lillehammer Cycling Club zu trainieren begann, hatte er kein Vorbild. "Ich habe zu keinem aufgeschaut." Das rät er auch den jungen Fahrern von seinem Club, mit denen er gelegentlich noch Trainingstouren macht: "Glaubt an Euch. Ihr könnt mehr erreichen, als Ihr euch jemals vorgestellt habt."

Fahrer-Typen mit seinem Erfolgsstreben hat auch Andre Reuze in seinem Buch erwähnt. Den Italiener Dragoni zum Beispiel, der auch immer einen vor sich hatte, erst im eigenen Team, dann aus anderen Mannschaften. Auch er hat dann doch noch eine Chance bekommen und sie genutzt, zum Sieg in Nizza. 

Mit einer ähnliche Aufgabe wie EBH kam Nikias Arndt zur Tour, aber seine Rolle im Rennen entwickelte sich anders. Weil er seinem Kapitän Matthews mehrfach einen Sprint anzog, zweimal zum Sieg lotste und schließlich auch noch ins Grüne Trikot brachte. Auch er hat auf diese  wahrscheinlich letzte Fluchtgruppe der Tour gesetzt, die das Ziel erreichen würde. Er überstand alle Selektionen im Finale, hatte nicht zufällig EBH am Hinterrad, als die geschickte Seitenwahl in einem Kreisverkehr beide an die Spitze katapultierte. Er hat alles richtig gemacht und darum auch etwas gewonnen: Die Gewißheit sein Optimum ausgeschöpft zu haben.

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