ROUTINE

Foto: Arne Mill/frontalvision
Foto: Arne Mill/frontalvision

Alles wie erwartet. Der "Gelbe" rollt im hinteren Feld über die finale Ziellinie und jubelt artig. Es ist wieder Christopher Froome, zum 4. Mal gewinnt er die Tour. Die letzte Etappe bestand aus 30 km Radrennen auf den Champs Elysee nach stundenlanger Fahrt mit Ritualen, die jedes Jahr die gleichen sind, ein paar spontanen Grimassen und Witzchen, Smalltalk unter den Fahrern und Partygehabe, wie es auf dem Fahrrad eigentlich nicht stattfinden sollte. Das Peloton schleicht über einen endlos langen roten Teppich für den Gesamtsieger, sein Team, die Gewinner der Sonderwertungen und viele Darsteller von Nebenrollen. Es ist ein Laienspiel, bei dessen Anblick viele Zuschauer Vergnügen empfinden, andere genervt die Augen verdrehen. Alles wie gehabt. Na ja, nicht ganz. Bei Andre Reuze verläuft die letzte Etappe für seine Giganten nach einem ähnlichen Szenario, aber auf dem Velodrom im Prinzenpark fährt der Mann in Gelb als erster über den Zielstrich. Um dann allerdings noch eine große Enttäuschung zu erleben.

Die bleibt Froome erspart. Toursiege werden für ihn zur Routine, seine Fahrweise ist es schon lange. Er hat sie den Erfordernissen angepaßt. Und das entsprechend starke Team dafür. Es bringt ihn im Salonwagen auf die letzten Kilometer des letzten Anstieges und er fährt dann mit jenen Aufmüpfigen ins Ziel, die von seinen Helfern noch nicht abgebügelt wurden. Zeitgleichheit reicht ihm, den Vorsprung holt er sich beim Zeitfahren. Er ist ein unglaublich starker Fahrer und wahrscheinlich auch ein netter Kerl, aber wenn der Kampf um den Toursieg in 3 Wochen so wenig emotionale Momente enthält wie diesmal, ist das Gelbe Trikot ein Leibchen für Langeweile. Die Geplänkel der Favoriten im direkten Vergleich miteinander spielten sich auf lediglich 4 Etappen und ungefähr 60 km Gesamtlänge ab. Die meiste Spannung entstand, wenn Froome einen Defekt anzeigte und ganz leichte Anzeichen von Panik erkennen ließ, so als habe er Angst, daß die Ersatzmaschine nicht genauso optimal präpariert sei. Seine Attacken im Finale waren spärlich und wirkten halbherzig, noch seltener waren Situationen, in denen er den Angriffen seiner Rivalen nicht folgte. Zweimal weil er nicht konnte, einmal weil er nicht wollte. Und das hinterher als einen Fehler bezeichnete. 

Diese Aufzählung von Beobachtungen ist keine Mäkelei an der Leistung von Froome. Er besticht mit Form auf den Punkt, Konstanz und Nervenstärke. Er wußte, daß ihm eine Handvoll Sekunden zum Erfolg reicht und wo er die holen kann. Gegen diese simple Taktik vermochte keiner etwas auszurichten. Am Ende hatte er sogar fast eine Minute Abstand. Froome schöpfte aus der Routine Sicherheit. Dafür verdient er ein Kompliment. 

 

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