Bergfest

Foto: Arne Mill/frontalvision
Foto: Arne Mill/frontalvision

Pardon, das mit dem "Weiterlesen" entpuppte sich gestern als ein leeres Versprechen. Faulheit war nicht der Grund, eher Unvermögen. Weil ich einen Schreibfehler mit altersgerechter Sturheit immer wieder per "paste" falsch eingetragen habe, bekam ich keinen Zugang zum Bearbeitungsmenü der homepage des Hörbuchs. Ohnehin bin ich eher ein bescheidener Internet-Befüller. Um den Giganten zu dienen, will ich versuchen, ein paar Beobachtungen und Gedanken aufzuschreiben. Sollten mir dabei Bedienungsfehler unterlaufen, bitte ich um Geduld. Allerdings blieb die Kommentarspalte leer. Entweder hat niemand die Vorschau für "Bergfest" gelesen oder das geschätzte Publikum hat die Irreführung ganz gelassen hingenommen. Danke.

Die Tour beobachte ich in diesem Jahr aus der Ferne. Vielleicht auch mit Abstand. Die Eintönigkeit der ersten Woche habe ich mir erspart, nur die Zielsprints angeschaut und dabei einen Leckerbissen genossen, die Gestaltung des Zielsprints in Quimper, die Peter Sagan den 2. Etappensieg brachte.   

Das erste Radrennen dieser Tour, die Etappe nach Roubaix, verdient es aus verschiedenen Gründen, nochmals unter die Lupe genommen zu werden. 

Bergfest - das war die 11. Etappe nach La Rosiere, die Halbzeit, der erste topographische Höhepunkt und vielleicht Wendepunkt der Rundfahrt: Geraint Thomas gewann seine erste Etappe mit Massenstart bei der Tour und und stürmte förmlich an die Spitze der Gesamtwertung. Er hatte schon an den Tagen zuvor um das Gelbe Trikot gekämpft, im Gegensatz zu den "offiziellen" Favoriten und zu der laut verkündeten Strategie seines sportlichen Leiters Nicolas Portal, der am Ende der ersten Woche verkündet hatte, es sei für das Team Sky viel zu früh, Gelb zu übernehmen. Der Waliser Thomas war schon nach dem Mannschaftszeitfahren tief enttäuscht, das er das Leibchen um 3 Sekunden verpaßt hatte und es auch auf der Mur de Bretagne  Van Avermaet nicht abjagen konnte. Er übernahm es auf der Ziellinie am San Bernardo mit einer sparsamen Geste, einem Fauststoß in die Luft. Keine Show, keine Sprüche. Dabei war es eine Leistung in einer völlig neuen Qualität und Dimension, mit der er sich sein 5. Gelbes Trikot sicherte, viermal hatte er es schon im Vorjahr getragen, nach seinem Prolog-Sieg in Düsseldorf.

Es war sein erster Etappensieg bei einer Bergankunft. Erstaunlich für einen Rennfahrer, der seine Laufbahn auf der Bahn begann, seinen ersten großen Erfolg als Junioren-Weltmeister 2004 im Scratch feierte, mit dem britischen Vierer 2007 das Regenbogentrikot in der Mannschaftsverfolgung errang und zwischendurch, 2006, seine erste Etappenfahrt auf der Straße gewonnen hatte: Fleche du Sud in Luxemburg. Im britischen Bahnvierer mit Bradley Wiggins wurde er 2008 Olympiasieger und holte 2012 in London noch einmal Gold. Diesmal ohne Wiggins, der zuvor im Juli die Tour de France gewonnen hatte, dank stark reduzierten Körpergewichts und akribischen Trainings am Berg. Das könnte die Blaupause für den jetzt 32jährigen Thomas aus Cardiff gewesen sein, der jahrelang im Team Sky mit Wiggins fuhr, auch 2011, als er nach dem Ausscheiden seines Kapitäns immerhin 30. der Gesamtwertung wurde und damit zweitbester Sky-Fahrer war. Jetzt hat G. - so sein Spitzname - auch ein paar Kilo weniger und ganz bestimmt spezielles Training an solch langen und steilen Anstiegen gemacht wie dem hinauf nach Alp d'Huez. Noch einmal Bergfest - diesmal wegen der überschäumenden Stimmung, die es in dieser Form wahrscheinlich nur an diesem Etappenziel gibt. Und wegen der ungeahnten Kletterkünste von Thomas. Er steigerte sich in einen Rausch, den er mit einem Sprint krönte, der wohl am ehesten noch an seine Tour-Premiere 2007 erinnerte. Im Team Barloworld sollte er für Robert Hunter die Sprints anfahren. Auf der 4. Etappe brachte er den Südafrikaner auf dem letzten Kilometer an die Spitze, wofür er ausdrücklich von "Robbie" gelobt wurde, obwohl der selbst stocksauer war: Er hatte in Joigny knapp verloren gegen Thor Hushovd...

Nach vielen Jahren als Diener unterschiedlicher Kapitäne in etlichen großen Rundfahrten hat es Thomas nun zumindest zum 1. Offizier auf der Brücke gebracht. Egal mit welchem Dienstrang er die Tour beenden wird, aus Geraint ist schon Great Thomas geworden!

 

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