Cort und Gut

Foto: Arne Mill/frontalvision
Foto: Arne Mill/frontalvision

Am Sonntag um 17:01 Uhr wurde der Fahrer Magnus Cort Nielsen vermutlich erstmals von Radio Tour in Aktion erwähnt: "Cort und Mollema verfolgen Majka." Das klang wie eine Falschmeldung. Kann doch nicht sein! An einem Berg der ersten Kategorie! Der Däne ist Sprinter. Sein Begleiter ein guter Kletterer, der Gejagte ein Weltklasse-Bergfahrer. Eine Verzweiflungstat! Magnus mußte größenwahnsinnig sein! Wieso war der eigentlich noch im Rennen, das doch so viele Stars  schon verlassen hatten, weil der Kurs der Tour 2018 viel zu bergig für Super-Sprinter sei? Wie kann da ein Nachwuchs-mann, der zwar schon 12 Rennen gewann, aber immer im Sprint, und der bisher bei Bergetappen fast immer im Grupetto ankam, wie also kann der  an einem 12,5 km langen Berg angreifen? 42 km vor dem Ziel! 

Magnus Cort Nielsen ist gut in Form und clever. Und dankbar. Das Team Astana, in das er mit Beginn der Saison wechselte und das ihm sogar einen Vertrag für 2 Jahre gab, hatte seinen sehnlichen Wunsch erfüllt: Teilnahme an der Tour, seiner ersten! Natürlich war die Taktik des Teams auf Jakob Fuglsang ausgerichtet, der in der Gesamtwertung das Podium erreichen soll. Aber es würde Etappen geben auf denen die Favoriten im Burgfrieden leben würden. An solchen Tagen müsse man in Spitzengruppen vertreten sein, hatte der Sportliche Leiter Lars Michaelsen gefordert. Er hatte auch vorausgesagt, daß die Etappen 14 und 15 dafür am ehesten in Frage kommen. Der Spanier Omar Fraile, auch ein Neuzugang bei Astana, war am Samstag in der Fluchtgruppe und - gewann. Am Sonntag gehörten Michael Valgren und Magnus Cort Nielsen zu den Ausreißern. Der 25jährige 

von der Insel Bornholm verhielt sich unauffällig und alle seine Begleiter dachten sicherlich, dass Astana wohl auf Valgren setzen würde, der  im April immerhin das Amstel Gold Race gewonnen hatte. Aber Michaelsen im Begleitwagen überließ den beiden die Entscheidung, wer den anderen unterstützen solle. Aber derjenige müsse dann gewinnen. Valgren versuchte die Gruppe zusammenzuhalten. Aber Rafal Majka entwischte am Aufstieg zum Pic de Nore. Da blieb Magnus keine Wahl, er mußte mitgehen, als auch noch Bauke Mollema hinterher stiefelte. Er mußte, Auch auf dem Weg zum dritten Gipfel des Tages und nach 2500 km Gesamtstrecke der Tour. In einem halben Dutzend Massensprints hatte er sich nicht beteiligt und war an der Seite Fuglsangs geblieben, nur in Valence hatte er es probiert und landete auf dem 7. Rang. Er besaß also Reserven. Die mobilisierte er auf dem Weg nach Carcassonne. Die letzten Kilometer waren ohnehin das ideale Gelände für einen Sprinter. "Ich habe mir im Finale keine großen Gedanken gemacht. Ich wußte, daß ich noch einmal beschleunigen kann." So selbstbewußt war Magnus. Auf der Zielgeraden brauchte er nur noch einzulochen. Cort und gut. 

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